Algol auf der Zuse Z22

Durch die Kernspeichererweiterung auf 32 Worte ist die Z22 Algol-fähig. Algol ist eine höhere Programmiersprache, die von der Syntax als direkter Vorgänger von Pascal gesehen werden kann.

Auf der Z22 wird sie durch einen 9-Pass Compiler realisiert. Das bedeutet, daß zunaächst die Zuse mitsamt ihrem Urlader gebootet werden muß. Dazu werden einige Befehle einer einfachen Leseroutine per Hand über das Befehlspult eingegeben. Danach kann der erste Algol-Pass vom Lochstreifen gelesen werden. Unter Algol ist der Speicher aufgeteilt: ca. 4000 Worte entfallen auf den gerade geladenen Compiler-Teil, die 4000 anderen sind frei für Programmcodes und Daten.

Lochstreifenleser
der Lochstreifenleser

Ist nun also der erste Pass geladen, kann Algol-Source vom Lochstreifen gelesen werden. Zwischencode wird auf neuen Lochstreifen wieder hinausgeschrieben. Dies geschieht dann in einigen Durchläufen, bis ausführbare Maschinensprache erzeugt wurde, die auf der Zuse ablaufen kann.

Solche Kompilierläufe fanden im Batchbetrieb vornehmlich nachts und am Wochenende statt. Batchbetrieb bedeutet in diesem Fall, daß viele Lochstreifen, die auf gleiche Art zu behandeln waren aneinander geklebt wurden und nacheinander abgearbeitet wurden. Am Ende dieses Eingabelochstreifens war zumeist ein Riesenknäul Ausgabe entstanden, der wieder aufgewickelt wurde, und in den nächsten Pass laufen konnte.

Originaltabelle der Fehlermeldungen
Originaltabelle der Fehlermeldungen
Durch die vielen Passes konnten auch einige Fehler abgefangen werden, die sonst zu unnötiger Rechenzeitverschwendung geführt hätten. Die Fehler wurden durch Bitkombinationen im Befehlsregister signalisiert und konnten anhand einer umfangreichen Tabelle mitsamt ihrer Störungsursache lokalisiert werden.


Z22/13-Homepage Georg 'Gio' Magschok, 961127