Über das Leben und Werk Konrad Zuse

Kindheit

Konrad Zuse wurde am 22.6.1910 in Berlin geboren. Sein Vater war mittlerer Postbeamter, seine Mutter war eine Nichte seines Vaters und Hausfrau. Nach zwei Jahren in Berlin zog Zuse mit seinen Eltern nach Braunsberg in Ostpreussen, wo er auch die Evangelische Höhere Mädchen Schule und das Gymnasium Hosianum besuchte, stets mit niedrigtmöglichem Aufwand. Mit dem Umzug nach Hoyerswerda
Zuse
Der junge Zuse beim Basteln
wechselte er an ein modernes Reform-Realgymnasium. Auch hier konnte er nur durchscnittliche schulische Leistungen aufweisen, entdeckte jedoch mit sechzehn seinen Hang zur Technik und dem Zeichnen. 1927 machte er dort auch sein Abitur.

Studium

Es folgte das Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, zu dem er wieder nach Berlin zog. Enttäuscht von der fehlenden künstlerischen Freiheit sattelte er auf Architektur um, was ihm aber wiederum zu untechnisch war. Schließlich landete er bei Bauingenieurwesen, das er auch zuende studierte. Schon während des Studiums entwickelte er eine Abneigung gegen die häufigen statistischen Rechnungen, sicherlich ein Grund fuer die spätere Berufung. Neben dem Studium beschäftigte sich Zuse mit vielerlei kreativen Hobbies und entwickelte erste Erfindertätigkeit. Schon in der Schule hatte er seine visionäre Zukunftsstadt Metropolis entworfen, nun ein automatisiertes Fotolabor, das Prinzip eines elliptischen Kinos, einen geldwechselnden Warenautomat und ein Raumfahrtprojekt. Außer der Technik begeisterte Zuse in dieser Zeit das Theaterspiel, das er aktiv betrieb und erste Grafik und Malerei. Mit dem Erwerb seines Diploms war die Zeit des Nationalsozialismus erreicht. Zuse hatte zunächst 1935 begonnen, bei den Henschel-Flugzeug-Werken zu arbeiten, eine Stelle die ihn wohl nicht ausreichend faszinierte.

die ersten Maschinen

So kam es, dass Konrad Zuse sich unter einigen Einwänden seiner Eltern im heimischen Wohnzimmer eine Erfinderwerkstatt einrichtete. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits überzeugt, Computererfinder zu werden. Zuse sammelte Geld unter seinen Freunden und der Familie um Teile und Werkzeuge kaufen zu können. Zunä:chst entstanden die Geraete Z1, Z2 und Z3 in improvisierter Kleinarbeit. Unterstützt von seinem Freund Helmut Schreyer und vielen anderen beschritt er den Weg von der abenteuerlichen Z1, ein ziemlich großes Gerät mit mechanischem Rechenwerk und mechanischem Speicher über die Z2, die bereits ein Rechenwerk in Relaistechnik enthielt, die Z3 komplett in Relaistechnik bis hin zur Z4, die wieder ein mechanisches Speicherwerk hatte, jedoch trotz der Mühen des Krieges in höherer Komplexität gebaut war.

Erfinder im Krieg

Zuse erlebte eine Odyssee beim Versuch, seine Entwicklungen voranzutreiben, die Geräte zu schützen und neues Material zusammenzutragen. Gerade in Berlin waren die Mühen groß, die Entwicklungsumgebung mitsamt der Z4 wurde also mehrmals umgesiedelt, zunächst innerhalb Berlins und kurz vor Kriegsende nach Göttingen und schliesslich nach Hinterstein im Allgaeu. Damit dies im Chaos des Krieges überhaupt möglich war, nannten Zuse und seine Freunde die Z4 kurzerhand V4, und so hielten diverse öffentliche Stellen das Gerät für einen Nachfolger der sagenumwobenen Geheimwaffe V1. Die Phase ohne Möglichkeit, praktisch zu arbeiten, nutzte Zuse zur Entwicklung seines berühmten Plankalküls.

Wiederaufbau

Im Jahre 1947 gründete Zuse das "Zuse-Ingenieurbüro, Hopferau bei Füssen". Die erste Zeit dieses Unternehmens war voller neuer Auslandskontakte, selbst die IBM war an den Schutzrechten (nicht aber an seiner weiteren Arbeit) von Zuses Erfindungen interessiert. Zuse hatte in dieser Zeit auch zum ersten mal Kontakt zu Howard Aiken, der sich aber nicht für Zuse's Rechenmaschinen begeisterte.

die Z4 an der ETH Zürich
die Z4 an der ETH Zürich

ZUSE KG

Die Z4 wurde 1950 an die Eidesgenössischen Technischen Hochschule Zürich verliehen, wo nun das erste mal eine Zuse ihrem Schöpfer wirtschaftlichen Erfolg brachte. Durch die neuen Auslandskontakte kam es zu einem Auftrag der Amerikanischen Remington-Rand, 1949 wurde die ZUSE KG mit Harro Stucken und Alfred Eckhard neu gegründet.

andere Maschinen

Zuse befaßte sich nun mehr mit seinem fachlichen Umfeld, bekam verschiedene Ansätze von Rechenmaschinen zu sehen, darunter

Fromme

Zuse lernte 1950 seinen Freund und späteren technischen Leiter der Zuse-KG, Theodor Fromme kennen.
Theodor Fromme
Theodor Fromme

Aufstieg

Zunehmend wurden Zuses Computer in der Wissenschaft eingesetzt, lösten sogar teilweise Lochkartensteuerungen großer Webstühle, ihrer designierten Vorgänger, ab. Die Zuse KG wuchs und gedeihte. Dies hatte zur Folge, daß sich Konrad Zuse mehr und mehr um die Leitung seiner Firma und immer weniger der Entwicklung widmen konnte. Wie von vielen Unternehmen bekannt, tat auch der Zuse KG der Wachstum nicht sehr gut. Zuse fand sich schon Anfang der 50er Jahre in mehr Verwaltungsaufgaben verstrickt, als ihm lieb war. Schlimmer wurde dies noch, als Kommanditisten absprangen und ausgezahlt werden mußten. Eine Erholungsphase fand mit dem Einsatz während der Flurbereinigung, insbesondere dem Modell Z11 statt. Ab 1955 baute Zuse mit seinen Mitarbeitern elektronische, d.h. zunächst röhrenbasierte Systeme. Der damit verbundene Wartungsaufwand sorgte unter anderem dafür, daß kurz vor der Geburt seines vierten Kindes noch eine technische Frage aus Hamburg per Telefon kam.

Konkurrenz

Ende der 50er Jahre war die ZUSE KG der Hauptkonkurrent von IBM in Deutschland, Zuse hatte erfolgreich die stärkste Wachstumsphase gemeistert, nun trudelte das Unternehmen in die Softwarekrise hinein. Es sollte plötzlich Kundenspezifische Software selbst auf dem Gebiet von Compilern und Betriebssystemen entstehen, der Aufwand entsprach in keinem Fall den Einkünften. Die Zuse-Benutzer-Gemeinschaft wurde gegründet, dies entsprach dem positiven Verhältnis Zuses zu seinen Kunden.

Übernahme

1964 übernahm BBC die marode Zuse KG, Konrad Zuse blieb aber Komplementär. Er schied kurze Zeit später aus, noch bevor Siemens den Laden übernahm.

endlich wieder Zeit

Zuse widmente sich nun wieder verstärkt seinen theoretischen Erfindertätigkeiten, der Wissenschaft im Sinne von Software. Mit seinem Plankalkül führte er einige Arbeiten für die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung durch. 1972 erschien seine Veröffentlichung "Das Plankalkül". Es wurde sogleich Thema wissenschaftlicher Arbeiten und auch ins englische übersetzt. Dabei entstand eine ernsthafte Konkurrenz zu anderen Menschen, die sich mit der Programmierung von Computern befaßten und andere Vorstellungen davon hatten. Schon damals gab es Konflikte wie später zwischen Pascal und C Programmierern, mit dem Unterschied, daß in den fachlichen Bereichen, in denen sich Zuse bewegte, war es sogar so, daß viele bei Sprachdefinitionen mitgewirkt hatten und umso mehr Herzblut in die Verteidigung ihrer Ansicht legten. Dabei kam es selten zu direkten Konfrontationen, Zuse bekam die Abneigungen vor allem in der unangenehmen Form zu spüren, daß sich wichtige Leute nicht mit ihm treffen wollten, ihm nicht gewogen waren. Es gab aber auch Lichtblicke, z.B. mit Dr. Petri, nach dem die Petri-Netze benannt sind, Zuse befasste sich nach anfänglichen Streitgesprächen über Informationsverarbeitung eingehender mit Petri-Netzen und schrieb auch zwei Bücher darüber.

Rechnender Raum

Eine weitere wichtige Arbeit Zuses war der Entwurf des 'Rechnenden Raumes'. Es handelt sich dabei um die Brücke zwischen Automatentheorie der Quantenphysik, ein Modell von Teilchen, denen ein mehr oder weniger mathematisch aufwendiges Verhalten zugeordnet ist, und die durch ihre Vielzahl, räumliche Anordnung und Interaktion allerlei Vorgänge simulieren können.

Reproduktion

Anfang der 70er Jahre ergriff ihn eine Idee, die auch einige Science-Fiction Autoren der Zeit hatten: sich selbst reproduzierende Systeme. Anstatt darüber zu schreiben, begann Zuse zu basteln, er entwarf einen Prototypen für eine automatische Montagestraße, und nahm einige Entwicklungen der Automatisierungstechnik vorweg, leider ohne groß beachtet zu werden oder den Durchbruch der Amerikaner auf diesem Gebiet aufhalten zu k&oum;nnen. Durchbrüche wie zu Beginn der Computerzeit erreichte er nicht mehr, vielleicht weil seine Umwelt manchen Ideen zu kritisch gegenüberstand

Würdigung

Ab Mitte der 70er Jahre setzte eine Phase ein, in der Zuse als der Erfinder des Computers gewürdigt wurde und mehr und mehr Vorträge über die Anfänge halten mußte. Das Deutsche Museum in München bekam seine Z4, wenn auch ohne Software. Zuse bekam einige Ehrendoktorwürden verliehen.

Fachhochschule

Zuse 1982 an der FH
Konrad Zuse 1982 an der FH Karlsruhe
Anlässlich der zehnjährigen Feier des Bestehens der Informatik-Fakultät und des Rechenzentrums der Fachhochschule Karlsruhe kam Konrad Zuse 1981 auch zu uns. Er hielt eine Festrede und wurde angelockt durch die wieder zum Leben erweckte Z22. Neben solcherlei repräsentativen Tätigkeiten wurde Zuse zunehmend zum Informationsphilosophen, machte sich Gedanken über den Sinn der informationsverarbeitenden Industrie, über die Abgrenzung der Informatik und anderer Wissenschaftsbereiche, über Zukunftsperspektiven.

Malerei

In den 80er Jahren fand Zuse nun auch wieder Zeit, sich seinem Hobby, der Malerei, zu widmen.

Aus

Zuse starb am 18. Dezember 1995 in Hünfeld bei Fulda.


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