Geschichtliche Einordnung der Zuse Z22/13

Die Zuse Z22 mit der Seriennummer 13 wurde 1958 gebaut. Erstbesitzer war das Landesvermessungsamt Wiesbaden, das noch DM 300.000 für das technisch führende Gerät berappen mußte. Das Gerät lief dort noch ohne Kernspeichererweiterung und wurde rein im Freiburger Code programmiert. Als die FH, die damals noch Staatliche Ingenieurschule hieß, 1962 das Gerät gebraucht für DM 100.000 aufkaufte, war es der Weitsicht des damaligen Dekan der Nachrichtentechnischen Fakultät, Professor Gerhard Becker, zu verdanken, daß sie sogleich aufgerüstet wurde und mit der Kernspeichererweiterung nun auch in ALGOL programmiert werden konnte. Anfang der 60er Jahre nahmen Assemblersprachen, wie auch der Freiburger Code eine ist, noch eine zentrale Position in der Programmierung von Rechenmaschinen ein. Erst nach und nach zeigte sich die Zukunft der Computertechnik als hochsprachenbasiert.

Die Z22 war nach Z1, 2, 3, 4, 5 und 11 das siebte Modell, das Zuse baute. 1955 war sie das erste realisierte elektronische Gerät. Die ersten Z22 wurden 1957 nach Berlin und Aachen geliefert. Die Z22/1 steht heute an der Univerität in Siegen, sie ist leider nicht mehr funktionsfähig.

Während Zuse in Deutschland schon einige Erfahrung im Bau seiner Rechenmaschinen gesammelt hatte, wachte auch die restliche Welt langsam auf. Die Bedeutung von programmierbaren Webstühlen oder auch programmierbaren mechanischen Rechenmaschinen war nur auf einen kleinen Bereich beschränkt.

Mitte der 40er Jahre gab es schon einige Ansätze im Bereich der modernen Computertechnik, neben Zuse's Maschinen vor allem die folgenden Geräte:

In den 50er Jahren begann sich die Öffentlichkeit zunehmend für Computer zu interessieren. Die Zuse KG gehörte zu den nicht gerade zahlreichen Unternehmen, die diese Geräte liefern konnten. Die Situation in den Anfängen kam einer Softwarekrise gleich. Es wurde sehr viel Aufwand in die Entwicklung neuer Rechenmaschinen gesteckt, wohingegen die Software etwas kurz oder spät kam. Die zweite Gemeration der Computer, von der ungefähr mit Erscheinen der Z22 die Rede war, hatten umfangreichere Assemblersprachen und auch erste Hochsprachenimplemetierungen. Dies trug dazu bei, den Implementierungsaufwand wieder etwas zu vermindern.

Bei der Z22/13 verhielt sich dies anders. Sie war ca. 15 Jahre in Betrieb und wurde in dieser Zeit im Rahmen der Lehre und Projektarbeit zu vielfältigen Softwareprojekten als Werkzeug genutzt. Hier stand immer die Software im Vordergrund.

Die Z22 wurde an der FH bis Anfang der 70-er Jahre eingesetzt. Sie wurde abgelöst durch eine PDP11/40 von DEC.


Z22/13-Homepage Georg 'Gio' Magschok, 960916